Geschrieben am 11.08.2017 von Marco, aktualisiert 14.08.2022
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Network Video Recorder

In diesem Artikel erkläre ich dir, was ein sogenannter NVR (Network Video Recorder) eigentlich ist, was er macht, ob du einen brauchst und welche Rolle er beim Einsatz von Überwachungskameras spielt.

 

Info: Dieser Artikel ist für Einsteiger geschrieben worden, nicht für Fortgeschrittene.

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Was ist ein NVR (Network Video Recorder)?

Schematische Darstellung eines NVR

​Die meisten von euch kennen den Begriff Videorekorder sicher vom Fernseher bzw. kennen Videorekorder, mit denen Filme aus dem Fernseher aufgenommen und abgespielt werden können. Heutzutage gibts aber auch die kaum noch. Grob gesagt ist ein NVR ein "Netzwerk Video-Recorder" und nimmt Videos von angeschlossenen Überwachungskameras auf eine Festplatte auf. 

 
Info: Die meisten NVRs haben noch andere Zusatzfunktionen, wie beispielsweise die Cloud-Speicherung oder den Fernzugriff.

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Wozu brauche ich einen NVR?

Ein NVR dient dazu, um Videos von mehrere Überwachungskameras (WLAN-Kameras, IP-Kameras oder Überwachungskameras) aufzuzeichnen, zu speichern und zu verwalten. Manche NVRs bieten auch erweiterte Funktionen an. NVRs haben ein Betriebssystem und sind für den Dauerbetrieb konzipiert.

Beispiele für mögliche Zusatzfunktionen:

  1. PTZ, Kamerasteuerung per Monitor,
  2. Alarm E-Mails,
  3. FTP-Upload,
  4. App/Push Notifikation,
  5. Webinterface für die Verwaltung

 

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Wie greife ich auf den NVR zu?

Wie auf einen NVR zugegriffen wird, kommt auf die Software bzw. den Hersteller an. Der Zugriff über das Netzwerk und das Internet ist meist möglich. Viele NVRs verfügen über eine Weboberfläche. Dabei wird der Internetbrowser genutzt, um auf die Einstellungen des NVR zuzugreifen. Des Weiteren bieten manche Hersteller Cloud-Zugriff bzw. Cloud-Speicherung an. Es gibt mittlerweile auch NVRs, welche den Zugriff per App erlauben. Dies sind alles mögliche Optionen. Ihr solltet immer in den Produktinformationen nachlesen, was der NVR letztendlich zulässt.

 

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Worauf speichert ein NVR und wie viel Video passt auf eine Festplatte?

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Externe Festplatte
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Interne Festplatte

Ein NVR speichert das Videomaterial auf Festplatten. Viele NVRs besitzen integrierte Festplatten und erlauben es auch externe Festplatten per USB anzuschließen. Je nachdem wie viele Videostreams (Anzahl Videokameras) und wie lange das Material gespeichert werden muss, wird mehr oder weniger Kapazität benötigt. Es ist also wichtig im Hinterkopf zu behalten, dass es praktisch ist, wenn weitere Festplatten an den NVR angeschlossen werden können.

Info: Wie viel Speicherplatz ein Video benötigt ist unter anderem von der Kompression (Codec), den Bildern pro Sekunde und der Auflösung abhängig.

Beispiel Speicherplatz Berechnung.

Als Beispiel nehme ich hier die Testaufnahmen eines meiner letzten Testberichte: Wansview Q2 im Test. Die Kamera ist alt und nicht mehr erhältlich, aber ich schreibe regelmäßig neue Testberichte zu Überwachungskameras.

Dieses Video (mit Ton) hat folgende Daten:

  • Größe in MB: 79,7 MB
  • Auflösung: 1920x1080, 24 FPS
  • Codec: MPEG-4
  • Zeit: 4 Min. 52 Sek. (292 Sekunden)
  • Datenrate: 2158 kb/s

Eine Sekunde: 79,7/292 = 0,273 MB Speicher

Eine Stunde hat 3600 Sekunden und benötigt mit diesen Daten also 982,8 MB. Runden wir auf 1 GB (1000 MB) und damit benötigen wir 24 GB für 1 Tag Video. Eine Woche Video liegt dann bei 168 GB. Wenn wir 10 Kameras besitzen, dann sind das 1680 GB pro Woche. Eine 6 TB (6000 GB) Festplatte kostet momentan etwa 120 Euro. Auf so eine Platte passen also ca. 35 Tage Video am Stück (bei 1 Kamera). Im Normalfall zeichnet man aber eher Zeiträume wie 14 Tage auf und löscht dann die alten Aufnahmen. Wir sehen also an diesem kurzen Beispiel, dass wir die Qualität auch noch massiv erhöhen könnten und immer noch genug Platz haben.

 

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Überwachungskameras mit einem NVR verbinden - Die Anschlüsse?

AnschlüsseAnschlüsse

Natürlich hat ein NVR auch eine Vielzahl von Anschlüssen. Oben im Bild sehen wir die häufigsten Anschlüsse.

 

Netzwerkanschluss

Manche NVRs besitzen ein oder mehrere Netzwerkanschlüsse. Wenn mehrere Überwachungskameras im Netzwerk vorhanden sind, dann werden die in aller Regel nicht direkt an den NVR angeschlossen. Sie sind meist mit einem Switch verbunden und der NVR wird dann mit diesem Switch per Netzwerkkabel verbunden.

 

USB

Über den USB-Anschluss können meist externe Festplatten mit dem NVR verbunden werden. Achtung: Nur weil ein USB-Anschluss vorhanden ist, bedeutet dies nicht, dass der NVR auch externe Festplatten erkennt. Der USB-Anschluss kann nämlich auch nur als reiner Service-Port fungieren. Wenn ihr also plant externe Festplatten anzuschließen, lest vorher in den Produktbeschreibungen nach, ob dies auch möglich ist und ob es eventuell eine Kapazitätsgrenze gibt.

Info: Eventuell kann der NVR auch nur Festplatten bis zu einer bestimmten Kapazität erkennen und verwalten!

 

HDMI

HDMI-Anschlüsse sind meist dazu da, externe Monitore anzuschließen.

 

Audio in/out

Audio Ein- und Ausgang. 

 

VGA

Anschluss für einen Monitor. Veralteter Anschluss. Modern sind DVI, Display-Port oder HDMI.

 

Video-IN

Es gibt auch nicht netzwerkfähige NVRs. An diese werden die Kameras dann an einen runden Anschluss angeschlossen. Dieser Anschluss nennt sich Video-In. Hier werden die Kameras meist alle direkt mit dem NVR verbunden. Das ist alte analoge Technik und solche Modelle gibt es auch kaum noch.

 

Video-Out

Hier kann ein externer Monitor angeschlossen werden.

 

Alarm I/O

Dieser Anschluss ist bei manchen Überwachungskameras vorhanden, um eine Alarmanlage damit zu verbinden. Ich habe diesen Anschluss aber auch schon bei NVRs gesehen.

 

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Vorteile eines Komplettpakets

Viele Hersteller bieten Komplettsysteme an, Kameras samt NVR in einem Paket. Der Vorteil ist dann, dass alles auch zusammenarbeitet und unterstützt wird. Kameras anderer Hersteller können manchmal mit NVRs anderer Hersteller verbunden werden, allerdings sind diese dann im Funktionsumfang eingeschränkt und dann erhält man auch keinen Support. Für die Anbindung wird in der Regel der sogenannte ONVIF Standard genutzt: Was ist ONVIF bei IP-Kameras und Netzwerkkameras?

Hier einige Beispiele für Komplettsysteme mit NVR.

 

Das Überwachungsset von Netgear ist sehr beliebt und Netgear ist auch eine recht bekannte Firma.

Netgear ARLO anzeigen

 

 

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Kann ein NAS als NVR genutzt werden?

Es gibt einige NAS Systeme, die zugleich auch NVR Funktionalität besitzen. Ein Beispiel dafür sind manche NAS-Syteme von QNAP oder Synology.

 

Wenn ihr euch dafür interessiert, schaut zuerst auf der Homepage der Hersteller nach, ob das gewünschte NAS die Software unterstützt!

 

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Nachteile eines NVR

Ein NVR wird von einer Firma hergestellt, die ihre Software und Produkte verkaufen und vermarkten will. Das sorgt dafür, dass oft nur Überwachungskameras des NVR Herstellers komplett unterstützt werden. Wenn ihr also mehrere Marken besitzt, kann es sein, dass ein Teil der Kameras voll unterstützt wird und der andere Teil gar nicht oder nur teilweise.

Info: Den Videostream einbinden geht fast immer. Dazu gibt es das RTSP-Protokoll: Was ist ein RTSP-Stream? Wenn die Einbindung fremder Videostreams nicht vom NVR unterstützt wird, seid ihr 100% an die Kameras des Herstellers des NVR gebunden.

​Jetzt noch einige weitere Gedanken. Was wenn der NVR in die Jahre kommt und es keine Firmwareupdates mehr gibt? Wenn der NVR am Internet hängt, ist dies ein Sicherheitsrisiko. Dann muss ein neuer NVR gekauft werden. Unterstützt der neue NVR nun die alten Kameras oder müssen die auch neu gekauft werden. Wir sehen hier also direkt, dass ein Anschluss ans Internet nicht nur Vorteile haben kann. Ist der NVR nicht ans Internet angeschlossen, sind Firmwareupdates bzw. alte Firmware kein so hohes Sicherheitsrisiko.

Viele NVRs begrenzen die Anzahl der Kanäle und auch die Auflösung, die sie verwalten können. Mit Kanälen ist die Anzahl der Videokameras gemeint bzw. deren Videostreams. 

Ihr könnt nichts an der Software ändern, den Quelltext einsehen oder Features hinzufügen. Dies können und wollen die meisten Anwender auch nicht. Mehr dazu später, wenn ich kurz auf den Eigenbau eines NVR mit Linux, Zoneminder (opensource) und einem Raspberry PI eingehe.

 

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Alternative zu einem NVR: PC mit Software als NVR

​Alternativ zu einem NVR kann auch ein Computer als NVR dienen. Nachteil ist, dass dieser mehr Strom benötigt, wenn er 24/7 läuft. Es gibt für den PC diverse Software um Überwachungskameras zu verwalten. Auch hier bieten manche Hersteller Software sogar gratis an, welche dann aber meist nur deren Modelle managen kann. Manchmal aber auch nicht alle Modelle, sondern nur spezielle Serien. 

Info: Folgende Software sind Beispiele. Ich habe diese getestet. Wenn ich die Software genau teste, verlinke ich den Artikel darüber.

Software Beispiele:

Hier ein paar Beispiele für allgemeine Software (Herstellerunabhängig).

  1. https://blueirissoftware.com (Windows, kostenlose und Pro-Version): Blue Iris Einführung.
  2. https://zoneminder.com (nur für Linux, kostenpflichtig, opensource): Zoneminder Vorstellung.
  3. https://www.ispyconnect.com (Windows, kostenlos, opensource): iSpy Vorstellung und Einführung
  4. https://geniusvision.net/community.html (Windows, kostenpflichtig, nicht kommerzielle Version verfügbar)

 

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Einen NVR selber bauen, mit Linux

Ich habe hier ein Raspberry PI 2 B mit Arch Linux laufen. Auf diesem Mini-Computer habe ich Zoneminder installiert und damit kann ich meine Kameras verwalten. Das Raspberry PI 2 wird zugleich aber auch als NAS, Webserver für das lokale Netzwerk und Mediaserver verwendet. Der Stromverbrauch liegt hier bei etwa 2 Watt und ist damit sehr niedrig. Das System ist sehr flexibel. Ich kann den Quellcode einsehen und ich administriere es auch.

So ein System setzt gute Linuxkenntnisse voraus und es kostet auch mehr Zeit. Dafür ist es extrem flexibel und es kann erweitert werden. Diese Lösung eignet sich deswegen nur für Profis oder Bastler mit viel Zeit und Willen viel Neues zu lernen.

Fazit nach Jahren Nutzung: Der verwaltungsaufwand ist enorm hoch und Updates können auch das System zerlegen. 

 

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Test: Synology NVR1218

Ich habe vor kurzem einen umfangreichen Test des Synology NVR1218 durchgeführt. Dieses System, gefällt mir sehr gut und es ist einfacher zu Warten als eine eigene Linuxlösung.

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Hallo

Ich bin Marco und ich teste seit Jahren Überwachungskameras und schreibe die Artikel auf dieser Seite. Links zu Onlineshops sind sogenannte Affiliatelinks und wenn du darüber etwas kaufst, so erhält diese Seite eine kleine Werbevergütung. Der Endpreis ändert sich dabei nicht!

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Gespeichert von Blare (nicht überprüft) am Sa., 20.01.2018 - 17:42 Permalink

Die Berechnung des Speicherplatzes scheint mir völlig falsch, wenn ein Tag 24GB braucht, kann eine Woche nicht nur 7GB brauchen, sondern demzufolge 168GB, oder etwa 1,7TB bei 10 Kameras. Auf eine 6TB Platte passen dann nicht 85 Tage, sondern nur gut 25 Tage.
Auch die 85 Tage sollten in deinem Beispiel - wenn es denn stimmen würde - 85 Wochen sein.

Hallo :)
Gespeichert von marco am Sa., 20.01.2018 - 18:43 Permalink

Hi,

danke für den Hinweis. Da war ich wohl grade enorm abgelenkt. Ich habe es korrigiert. Danke.